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Wie aus Tanzen ein olympischer Sport wurde | ![]() |
Was ist der Unterschied zwischen tanzen auf einem Ball und TanzSport?
Tanzen auf einem Ball und Tanzen bei einem Turnier hat nur soviel gemeinsam, wie ein Sonntagsspaziergang und der Marathonlauf.
Um den Anstand und die Sittlichkeit aufrecht zu erhalten, wurde das Erteilen von Tanzunterricht zu Kaisers Zeiten amtlich geregelt. Die Institution Tanzschule war somit geboren.
Kurz nach der Jahrhundertwende ist praktisch über Nacht aus dem Amusement Sport geworden: Die ersten Tanzturniere fanden in England und Frankreich statt. 1909 war in Paris die erste Weltmeisterschaft.
England prägte die Entstehung des Tanzsports. Der aus England kommende "Englische Stil" wurde in Europa zunächst heftig bekämpft. Dieser Stil bedeutete zunächst eine Abkehr vom "Französischen Stil", der als Grundlage Ballett und den höfischen Schreittanz hatte. Die Engländer schrieben raumgreifende Bewegungen, Schrittansatz mit der Ferse und klare Körperlinien vor.
Bald nahmen die Widerstände in Europa dagegen ab, weil man erkannte, daß nur der "Englische Stil"das Tanzen vergleichbar macht und einen natürlichen Bewegungsablauf ermöglicht.
1922 war bei der WM in London der "Englische Stil" erstmals offizielle Bewertungsgrundlage.
1929 legten die Engländer bei der "Great Conference" in London von den neu entstandenen Tänzen den Langsamer Walzer, Tango, Slowfoxtrott und Quickstep als "Standard" fest. (Der älteste Tanz, der Wiener Walzer, kam erst später dazu.) 1936 veröffentlicht der Engländer Alex Moore sein Buch: "Ballroom Dancing". In diesem Buch beschreibt er genau die Grundtechnik der Tänze. 1948 erschien von ihm die Überarbeitung davon: "Revised Technique Of Ballroom Dancing" . Bis heute bildet dieses Buch die Grundlage des TanzSports.
Anfangs waren Tanzbewerbe in den Tanzschulen zuhause. Tanzlehrer, wie Karl von Mirkowitsch (Graz), oder Hptm a.D. Fred von Schlesinger (Linz), waren Pioniere des Turniertanzens in Österreich.
Doch das "Turniertanzen" entwickelte sich immer weiter von den Gesellschaftstänzen weg. Die Figuren und Bewegungen wurden immer raumgreifender und sportlicher. Eigene Tanz-Sport-Clubs entstanden.
Die ersten österreichischen TanzSportclubs wurden 1927 (oder 1930?) in Graz gegründet. (Sie bestehen heute nicht mehr.)
Schließlich wurde 1960 in Österreich "Tanzen" offiziell als Sportart anerkannt. Es war dies ein Verdienst des damaligen Präsidenten des TanzSport-Verbandes, Dir. Alfred Gruber (Wien).
Seit 1976 gibt es im Rahmen Trainerausbildung an der Bundesanstalt für Leibeserziehung auch die Ausbildung zum "Staatlich geprüften Trainer für TanzSport".
Am 5. September 1997 hat das Internationale Olympische Komitee IOC den Internationalen TanzSport-Verband IDSF definitiv als olympischen Sportverband anerkannt. Man hofft, im Jahre 2008 TanzSport im Medaillen-Programm der Oplympischen Spiele zu haben.
Der TanzSport ist eigenständig. Die Tanzschulen sind bloß für das Lehren der Gesellschaftstänze da.
Die TanzSportclubs sind Sportvereine, die die Förderung und das Training für TanzSportler sicherstellen. Wer Tanzen als Sport betreiben will, muss bei einem TanzSportclub im Österreichischen TanzSportverband Mitglied sein.
Theoretisch besteht die Möglichkeit, nach seiner Sportlaufbahn als Tanzprofi Geld mit Shows u.ä. zu verdienen. In Österreich ist das eher unrealistisch. Ganze fünf Tanzprofis gibt es zur Zeit bei uns. Ihnen stehen 4.500 bei der Bundes-Sportorganisation lizensierte TanzSportler gegenüber. Weltweit ist das Verhältnis rund 3,9 Millionen TanzSportler zu knapp 3000 Tanzprofis.
© Johannes Biba